Berthold Heil: „Uns steht das Wasser bis zum Hals“

Bundestagsabgeordnete Bettina Stark-Watzinger besucht protestierende Bauern bei Aufstellung eines „Grünen Kreuzes“ an der L 3011

Kriftel, 4. Februar 2020. „Zu niedrige Erzeugerpreise, Bürokratie und ungewisse Zukunftsaussichten könnten für viele Landwirte das Ende bedeuten. Der Main-Taunus-Kreis, und speziell Kriftel, ist bekannt als der Obstgarten des Landes. Das müssen wir uns bewahren“, so die FDP-Bundestagsabgeordnete Bettina Stark-Watzinger jüngst bei einem Treffen mit Landwirt Berthold Heil auf seinem Feld in Kriftel.
Unübersehbar an der Ausfahrt von Rewe und Aldi an der Landesstraße 3011 in Kriftel hat Heil ein großes „Grünes Kreuz“ aufgestellt. Es ist ein Zeichen des Protests gegen die verfehlte Landwirtschaftspolitik der Großen Koalition und den Generalverdacht, Landwirte seien Umweltverschmutzer.
„Uns steht das Wasser bis zum Hals“, schildert Heil. Der Einkauf des Großhandels könne durch die welt- und europaweite Konkurrenz, die unter deutlich niedrigeren Standards produziere, sehr niedrige Preise verlangen. Die Bauern wehrten sich nicht gegen Umweltmaßnahmen. Diese müssten aber aufgrund von wissenschaftlicher Diskussion und nicht dem Bauchgefühl der Politik geschehen.
Die Landwirte fühlten sich von der Politik im Stich gelassen, so Heil. Oftmals würden Diskussionen auf dem Rücken der Landwirte ausgetragen. Sorgen bereitet Heil vor allem Anspruch und Wirklichkeit: „Ein Großteil der Bevölkerung fordert noch immer, dass ihr Obst makellos ist. Äpfel mit einem perfekten Äußeren kann man jedoch nur mit Pflanzenschutz produzieren. Selbst Hersteller von Bio-Obst verwenden Pflanzenschutzmittel.“
Darüber hinaus sei eine Veränderung des Verbraucherverhaltens wünschenswert, hin zu größerer Wertschätzung für Lebensmitteln, weg von Billig- und Fertigprodukten. „Viele Verbraucher können ihren Beitrag zur Erhaltung landwirtschaftlicher Betriebe leisten und regionale Produkte kaufen“, so Stark-Watzinger abschließend. „Von der Bundesregierung wünsche ich mir aber vor allem mehr Respekt für die Leistung unserer Landwirte.“
Aber auch auf lokaler Ebene vermissen Bauer Heil und FDP-Ortsvorsitzender Florian Conrad in manchen Fällen die politische Rückendeckung der in Kriftel Regierenden wie im Fall der nur knapp beschlossenen Auflösung der Obstgenossenschaft ROWG: „Ich hätte mir mehr öffentliche Unterstützung von der Verwaltungsspitze und der Mehrheitsfraktion für diejenigen Obstbauern gewünscht, die bis zuletzt um den Erhalt der Genossenschaft
gekämpft haben. Vielleicht hätte ein klares Ja der Gemeinde als Anteilsinhaberin anstelle der ergangenen Enthaltung doch noch Einige für den Erhalt der ROWG umgestimmt“, so Heil rückblickend.

Obstbauer Berthold Heil, Bundestagsabgeordnete Bettina Stark-Watzinger und Ortsvorsitzender Florian Conrad (v. l. n. r.) vor dem „Grünen Kreuz“ an der L 3011


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